Barock · Salzstraße · Johann Conrad Schlaun
Erbdrostenhof: Schlauns überraschendes Stadtpalais
Mitten an der Salzstraße zieht sich die Fassade des Erbdrostenhofs in einer eleganten Kurve zurück. Johann Conrad Schlaun verwandelte ein schwieriges Grundstück in eines der markantesten Barockensembles Münsters. Von außen ist der Hof jederzeit zu sehen; für Foyer und Festsaal gelten eigene Zugangsregeln.

Barockinsel Salzstraße
Fassade und Nachbarorte in kurzen Wegen verbinden
Der Erbdrostenhof steht zwischen Stadtmuseum, Clemenskirche und Dominikanerkirche. Die Karte ordnet das Palais in Schlauns Barockensemble ein.























© OpenStreetMap-Mitwirkende
Für die Gesamtansicht auf die gegenüberliegende Straßenseite wechseln. Das Tor und der Vorhof lassen sich anschließend aus der Nähe betrachten.
Vor Ort
In 30 bis 60 Minuten durch Münsters Barockinsel
- 1SalzstraßeAbstand gewinnen und die gebogene Fassade erfassen
- 2Tor und VorhofGitter, Skulpturen und Mittelbau aus der Nähe lesen
- 3ClemenskircheSchlauns Barockkirche wenige Schritte westlich ergänzen
- 4Stadtmuseumdirekt gegenüber Stadtgeschichte vertiefen
Für die Außenansicht brauchst du kein Ticket. Wer den Festsaal sehen möchte, muss vorher eine individuelle Führung beim LWL anfragen.
Warum die Fassade nicht gerade verläuft
Das Grundstück an der Salzstraße war für einen repräsentativen Adelshof ungewöhnlich knapp und ungünstig geschnitten. Schlaun stellte den Bau deshalb nicht einfach parallel zur Straße. Er legte die Seitenflügel so an, dass sie den Vorhof in einer geschwungenen Bewegung umfassen und den Blick auf den erhöhten Mittelbau lenken.
Gerade diese Lösung macht den Erbdrostenhof unverwechselbar. Backstein, heller Sandstein, das hohe Mansarddach und das reich verzierte schmiedeeiserne Tor bilden eine Inszenierung, die schon im Straßenraum beginnt. Am besten wirkt sie, wenn du zunächst von der gegenüberliegenden Straßenseite auf das gesamte Ensemble blickst.
Geschichte im Überblick
Vom Adelshof zum wiederaufgebauten Baudenkmal
- Baubeginn
Schlaun errichtet das Stadtpalais für den Erbdrosten Adolph Heidenreich Freiherr Droste zu Vischering.
- Fertigstellung
Der Adelshof mit Festsaal und aufwendig gestalteter Fassade ist vollendet.
- Kriegszerstörung
Der Erbdrostenhof wird im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt; auch die historische Freskomalerei geht verloren.
- Künstlerische Wiederherstellung
Paul Reckendorfer gestaltet den Festsaal neu, Johann Rauchegger später die Malerei im Treppenhaus.
- Denkmal und Veranstaltungsort
Der LWL verwaltet das Gebäude; der Festsaal dient kulturellen, wissenschaftlichen und repräsentativen Veranstaltungen.
Was du besichtigen kannst
Die Außenansicht von der Salzstraße ist jederzeit möglich. Das Foyer kann ohne Anmeldung zugänglich sein, sofern keine Veranstaltung stattfindet. Der LWL nennt dafür bewusst keine festen Öffnungszeiten; samstags, sonntags und an Feiertagen bleibt das Foyer geschlossen.
Der Festsaal ist nur im Rahmen einer bestätigten Führung zugänglich. Nach aktuellem Stand dauert eine Führung etwa 45 Minuten, kostet 60 Euro pro Gruppe und ist auf höchstens 30 Personen begrenzt. Der LWL empfiehlt eine Anfrage ungefähr zwei Wochen vor dem Wunschtermin. Barrierefrei zugänglich ist nur das Foyer.
Drei Schlaun-Orte, drei verschiedene Aufgaben
Der Erbdrostenhof war ein repräsentatives Stadtpalais. Das Schloss Münster entstand als fürstbischöfliche Residenz, Haus Rüschhaus als Schlauns eigener Landsitz. Wer diese drei Orte vergleicht, sieht besonders deutlich, wie flexibel der Architekt auf Auftrag, Umgebung und Grundstück reagierte.