Die erste Fahrradstraße
Die Schillerstraße wurde als erste Fahrradstraße Münsters ausgewiesen. Ein gewöhnlicher Straßenraum bekam damit eine andere verkehrliche Aufgabe.
Stadtleben auf zwei Rädern
Zum Markt, zur Vorlesung oder zum Zug: In Münster ist das Fahrrad ein alltägliches Verkehrsmittel. Fast jeder zweite Weg der Stadtbevölkerung führt aufs Rad. Eine der wichtigsten Verbindungen folgt ausgerechnet der früheren Stadtbefestigung.

Eine Stadtstruktur mit zweitem Leben
Die Promenade ist mehr als eine schöne Baumallee. Nach dem Siebenjährigen Krieg wurde die Stadtmauer abgetragen; an ihrer Stelle entstand nach Plänen von Johann Conrad Schlaun und seinem Nachfolger Wilhelm Ferdinand Lipper die Promenade. Der frühere Befestigungsring prägt die Stadt bis heute.
Früher · Befestigung

Die Stadtmauer wurde nach dem Siebenjährigen Krieg abgetragen. Wo der Ring zuvor eine Grenze setzte, entstand Raum für einen neuen Weg.
Heute · Verbindung

Die Promenade verteilt den Radverkehr rund um die Innenstadt. Aus einer Stadtgrenze wurde ein grüner Raum für Bewegung und Begegnung.
Für den Radalltag hat die Form einen entscheidenden Vorteil: Ein Ring kann verschiedene Stadtseiten verbinden, ohne dass jeder Weg mitten durch den historischen Kern führen muss. Die Stadt beschreibt die rund 4,5 Kilometer lange Promenade deshalb als autofreien Verteilerring. Sie dient zugleich als Spazierweg und grüner Aufenthaltsort.
Wer am Schlossplatz, am Zwinger oder am Ludgeriplatz auf den Ring trifft, sieht denselben Zusammenhang aus einer anderen Richtung. Straßenquerungen und dichtes Verkehrsaufkommen verlangen trotzdem Aufmerksamkeit.
Promenade: Geschichte und Einstiege entdecken →Die jüngste von der Stadt veröffentlichte repräsentative Mobilitätserhebung bezieht sich auf 2022. Die folgende Grafik übersetzt ihre Anteile in 100 werktägliche Wege.
100 werktägliche Wege · Erhebung 2022
So verteilen sich die Wege der Münsteraner Bevölkerung auf die Verkehrsmittel.
Die farbigen Abschnitte zeigen die Anteile proportional. Gezählt werden Wege, nicht Menschen. Einpendler und Gäste sind in dieser Erhebung nicht enthalten.
Fahrrad, Fußwege und öffentlicher Verkehr bilden zusammen den Umweltverbund: 74 von 100 Wegen. Diese Zahl beschreibt die Wahl des Verkehrsmittels, nicht den Anteil der Straßenfläche für Radwege. Ein aktueller Echtzeitwert ist sie ebenfalls nicht.
94,4 Prozent der Haushalte besitzen mindestens ein Fahrrad, durchschnittlich sind es 2,5 Räder pro Haushalt. Die Stadt nennt außerdem 77 Prozent Menschen, die täglich oder mehrmals wöchentlich radeln. Haushaltsbesitz, Nutzungshäufigkeit und Wegeanteil beantworten unterschiedliche Fragen.
Die Promenade allein erklärt die Fahrradstadt nicht. Für einen Weg von zu Hause zur Universität oder zum Bahnhof zählen auch die Anschlüsse: durch Wohnviertel, zwischen Stadtteilen und ins Umland. Die Stadt führt ihre hohe Radnutzung auf langjährige Planung und ein zusammenhängendes Netz zurück.
So greifen die Wege ineinander
Die rund 4,5 Kilometer lange Promenade verbindet Zugänge zur Innenstadt. Für viele Stadtwege genügt ein Abschnitt; eine komplette Runde ist keine Voraussetzung.
Geografische Netzplanung der Stadt öffnen ↗Die Schillerstraße zeigt diesen Zusammenhang vor Ort: Sie ist nicht nur eine Fahrradstraße im Hansaviertel, sondern auch Teil der Veloroute Everswinkel–Münster. Die Stadtregion beginnt damit nicht erst dort, wo die letzte Häuserzeile endet.
Die Bezeichnung „Leeze“ gehört ebenfalls zum Stadtalltag. Das Wort für Fahrrad stammt aus der Masematte, Münsters historischer Sondersprache. Masematte und ihre Wörter kennenlernen →
Zwischen der ersten Mobilitätsbefragung 1982 und der Erhebung 2022 stieg der Radverkehrsanteil von 29 auf 47 Prozent: ein Plus von 18 Prozentpunkten.
Die Schillerstraße wurde als erste Fahrradstraße Münsters ausgewiesen. Ein gewöhnlicher Straßenraum bekam damit eine andere verkehrliche Aufgabe.
Das stadtregionale Veloroutenkonzept wurde beschlossen. Die Routen orientieren sich vorwiegend an bestehenden Wegen und werden schrittweise ausgebaut.
Der Umbau der Schillerstraße zwischen Hansaring und Soester Straße wurde abgeschlossen. Die vier Meter breite, rot asphaltierte Fahrgasse und die geänderte Kfz-Durchfahrt machen den Radverkehrsschwerpunkt sichtbar.
Beobachte, wie Menschen an unterschiedlichen Stellen auf den Ring wechseln und ihn wieder verlassen. Viele fahren nur einen Abschnitt im Alltag; andere sind zu Fuß unterwegs. Der grüne Ring ist deshalb mehr als eine Freizeit-Runde.
Roter Asphalt, eine verbreiterte Fahrgasse und Fahrradanlehnbügel sind konkrete Maßnahmen. Dennoch bedeutet „Fahrradstraße“ nicht automatisch autofrei: In Münster sind viele Fahrradstraßen per Zusatzschild für Kfz freigegeben. Beschilderung und Kreuzungen bleiben wichtig.
Das Hansaviertel entdecken →Die Radstation mit rund 3.300 Stellplätzen macht den Wechsel zwischen Bahn und Fahrrad sichtbar. Entscheidend ist nicht nur der Weg, sondern auch das Abstellen am Ziel. Aktuelle Tarife, Zugänge und freie Plätze vor der Nutzung prüfen.
„Fahrradhauptstadt“ ist eine geläufige Bezeichnung, kein amtlich verliehener Rang. Im ADFC-Fahrradklima-Test 2024 lag Münster mit der Note 2,97 auf Platz 1 der Städte mit 200.000 bis 500.000 Einwohnern. Der Test erfasst die wahrgenommene Fahrradfreundlichkeit. Ein guter Platz ersetzt weder durchgehende Infrastruktur noch sichere Begegnungen an jeder Kreuzung.
Ein Stück Promenade reicht für einen ersten Eindruck. Für einen abwechslungsreichen Fahrradtag kommen Aasee und Hafen hinzu; Natur- und Literaturorte brauchen mehr Zeit. Wähle eine Strecke nach Entfernung, Erfahrung und Pausenbedarf.